Wärmepumpe im Bestandsgebäude – Erfahrungen aus dem Realbetrieb

Stand:

Diese Seite dokumentiert den Betrieb einer Wärmepumpe in einem bestehenden Einfamilienhaus auf Basis realer Messdaten.

Messdaten eines Hauses mit Wärmepumpe im Bestand

Auf dieser Seite sammle ich meine Erfahrungen mit einer Wärmepumpe in meinem selbst bewohnten Wohnhaus.
Grundlage sind kontinuierliche Messdaten aus dem Realbetrieb: Stromverbrauch der Wärmepumpe, erzeugte thermische Energie, Photovoltaik-Ertrag, Batteriespeicher und Wetterdaten.
Die Diagramme zeigen keine Simulationen, sondern reale Betriebsdaten aus meinem eigenen Energiesystem.

Funktioniert eine Wärmepumpe im Bestandsgebäude?

Viele Diskussionen über Wärmepumpen im Bestand oder im sogenannten Altbau basieren auf Modellrechnungen oder pauschalen Aussagen. Auf dieser Seite dokumentiere ich den realen Betrieb einer Wärmepumpe in einem bestehenden Einfamilienhaus.

Ausgangssituation des Hauses

Die Wärmepumpe läuft in einem bestehenden Einfamilienhaus mit klassischem Heizkörper-System. Das Gebäude wurde ursprünglich mit einer Ölheizung betrieben.
Das Haus ist ein Fertighaus aus dem Jahr 2004 mit rund 130 m2 Wohnfläche. Besondere Dämmmaßnahmen wurden seit dem Bau nicht durchgeführt. Die Wärmeverteilung erfolgt über konventionelle Radiatoren, eine Fußbodenheizung ist nicht vorhanden.
Das Haus liegt auf rund 800 m Höhe auf der Schwäbischen Alb, einer der kälteren Regionen Deutschlands. In Kombination mit einem klassischen Heizkörper-System ohne Fußbodenheizung sind dies keine idealtypischen Wärmepumpen-Bedingungen – genau deshalb ist der reale Betrieb besonders interessant.

Gebäudedaten (Ausgangssituation)
  • Baujahr: 2004
  • Gebäudetyp: Fertighaus
  • Wohnfläche: 130 m²
  • Höhenlage: rund 800 m
  • Region: Schwäbische Alb
  • Vorherige Heizung: Ölheizung
  • Heizölverbrauch vor Umbau: ca. 1400 Liter/Jahr
  • Kontrollierte Wohnraumlüftung
Technische Daten der Anlage
  • Wärmepumpe: Viessmann Vitocal 250-A
  • Nennleistung: 10 kW
  • Heizsystem: Radiatoren
  • Warmwasserbereitung: integriert
  • Photovoltaikanlage: 10,12 kWp
  • Batteriespeicher: 13,5 kWh
  • Installation WP: Ende 05/2025
  • Messsystem: Shelly Pro 3EM

Energiebedarf des Hauses

Vor der Installation der Wärmepumpe wurde das Haus über viele Jahre mit einer Ölheizung beheizt. Der Heizölverbrauch ist gut dokumentiert und erlaubt einen Vergleich mit den heute gemessenen Wärmemengen der Wärmepumpe.
Der durchschnittliche Verbrauch lag bei etwa 1 400 Litern Heizöl pro Jahr. Das entspricht einer jährlichen thermischen Energiemenge von ungefähr 14 000 kWh.
Diese Werte dienen als Referenz, um den Energiebedarf des Hauses im Betrieb mit der Wärmepumpe mit den früheren Verbrauchsdaten vergleichen zu können.

Heizkurve und Vorlauftemperaturen

Ein wichtiger Faktor für die Effizienz einer Wärmepumpe ist die benötigte Vorlauftemperatur des Heizsystems. Je niedriger diese Temperatur ist, desto effizienter kann die Wärmepumpe arbeiten.

In meinem Haus wird die Vorlauftemperatur über eine klassische Heizkurve geregelt. Sie passt die benötigte Temperatur automatisch an die aktuelle Außentemperatur an: Bei mildem Wetter genügt eine niedrige Vorlauftemperatur, bei kälteren Außentemperaturen wird sie entsprechend angehoben.

Die aktuell eingestellte Heizkurve der Anlage ist in der folgenden Abbildung dargestellt. Bei etwa -10 °C Außentemperatur ergibt sich eine Vorlauftemperatur von rund 41 °C, bei sehr kalten Temperaturen um -20 °C etwa 47 °C.

Diese Werte zeigen, dass auch ein Bestandsgebäude mit klassischen Radiatoren häufig mit vergleichsweise niedrigen Systemtemperaturen betrieben werden kann. Genau das ist eine wichtige Voraussetzung für einen effizienten Betrieb der Wärmepumpe.

In unserem Haus liegt die typische Raumtemperatur bei etwa 23 °C – ein eher komfortables Temperaturniveau. Auch unter diesen Bedingungen reicht die eingestellte Heizkurve aus, um die Räume zuverlässig zu beheizen.

Wie häufig bestimmte Außentemperaturen tatsächlich auftreten, zeigt die Temperatur-Dauerlinie für Hohenstein-Oberstetten. Sie verdeutlicht, dass sehr kalte Temperaturen nur einen kleinen Teil der Heizperiode ausmachen, während der Großteil der Heizstunden bei moderaten Temperaturen stattfindet.

Heizkurve der Wärmepumpe
Heizkurve der Wärmepumpe (Viessmann Vitocal 250-A). Die Vorlauftemperatur wird automatisch an die Außentemperatur angepasst. (Screenshot ViCare-App)

Messdaten aus dem Realbetrieb

Viele Diskussionen über Wärmepumpen im Bestand basieren auf Annahmen oder Modellrechnungen. Hier werden stattdessen reale Messdaten ausgewertet. Die folgenden Auswertungen beleuchten verschiedene Aspekte des Systems: den Energiebedarf des Hauses, den Stromverbrauch der Wärmepumpe, ihre Effizienz sowie das Zusammenspiel mit Photovoltaik und Batteriespeicher.

Erfahrungen im Alltag

Im praktischen Betrieb zeigt sich, dass eine Wärmepumpe auch in einem Bestandsgebäude stabil und zuverlässig arbeiten kann. Die tatsächliche Effizienz hängt jedoch stark von den Rahmenbedingungen ab: Gebäudehülle, Heizsystem, Außentemperaturen und Betriebsstrategie.

Ein wichtiger Punkt ist das Zusammenspiel mit Photovoltaik und Batteriespeicher. Ein Teil des Strombedarfs kann direkt durch die eigene PV-Anlage gedeckt werden, wodurch sich der Netzstrombedarf reduziert.

Was musste für die Wärmepumpe am Haus geändert werden?

Beim Einbau der Wärmepumpe musste am Gebäude selbst nur wenig verändert werden. Am Gebäude selbst war nur eine kleine bauliche Änderung erforderlich: eine Kernlochbohrung vom Heizraum zur Außeneinheit im Garten.
Die Wärmepumpe arbeitet weiterhin mit dem vorhandenen Heizkörper-System. Eine Fußbodenheizung war daher nicht erforderlich.

Heizungssystem

  • bestehende Radiatoren blieben größtenteils erhalten. Nach der Heizlastberechnung mussten zwei Heizkörper vergrößert werden (Typ 22 auf Typ 33).
  • keine Flächenheizung nachgerüstet

Hydraulik / Technik

  • Austausch der alten Ölheizung durch Wärmepumpe
  • Anpassung der Hydraulik
  • Integration des Warmwasserspeichers

Elektrik

  • Anschluss der Wärmepumpe an den Hausstrom
  • Messung des Stromverbrauchs über Shelly Pro 3EM

Was ändert sich noch alles durch die Wärmepumpe?

Lohnt sich das?

Eine der häufigsten Fragen bei der Wärmepumpe lautet:
„Wann amortisiert sich das?“

Diese Frage klingt zunächst sehr rational. Tatsächlich beruht sie aber auf einem Denkfehler.
Ein Heizsystem ist keine Finanzanlage. Es ist Teil der technischen Infrastruktur eines Hauses – ähnlich wie Dach oder Elektrik.

Ähnlich verhält es sich bei einer Gebäudeversicherung:
Niemand fragt dort:
„Wann hat sich diese Versicherung amortisiert?“

Im Idealfall: nie.

In gewisser Weise funktioniert eine Wärmepumpe ähnlich.
Sie reduziert strukturelle Risiken eines fossilen Heizsystems:

Man könnte daher sagen:
Eine Wärmepumpe ist auch eine Art Versicherung.
Der Unterschied zur klassischen Versicherung ist allerdings bemerkenswert: Eine Wärmepumpe reduziert nicht nur Risiken – sie kann gleichzeitig auch laufende Kosten senken. Man zahlt also keine Versicherungsprämie. Häufig erhält man sogar eine Rendite auf die Risikoreduktion.
In meinem Fall zeigt sich genau dieser Effekt: Der Betrieb der Wärmepumpe ist bereits heute günstiger als der frühere Ölverbrauch – bei gleichzeitig deutlich geringerer Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.

FAQ

Wie lange dauerte der Umbau?

Der eigentliche Austausch der Heizungsanlage dauerte nur vier Tage. In dieser Zeit wurde die alte Ölheizung entfernt und durch die Wärmepumpe ersetzt. Am Gebäude selbst waren nur geringe bauliche Änderungen nötig, hauptsächlich eine Kernbohrung vom Heizraum nach außen. Bereits im Vorfeld wurde im Garten das Fundament für die Ausseneinheit gebaut. Wenige Tage vor dem Umbau sind die Heizöltanks durch eine Fachfirma ausgebaut und entsorgt worden. Die bestehende Ölheizung wurde bis zum Umbau aus einem Kanister versorgt.

Ist die Wärmepumpe laut?

Bei fachgerechter Installation spielt die Lautstärke im Alltag kaum eine Rolle. Im Gebäude selbst ist von der Wärmepumpe praktisch nichts zu hören. Wahrnehmbar ist vor allem die Außeneinheit im Garten, deren Geräusch eher einem leisen Ventilator ähnelt.

Interessant ist der Vergleich mit klassischen Heizungen: Die Brennerstarts einer benachbarten Ölheizung sind in meinem Garten deutlich hörbar. Solche Geräusche nimmt man jedoch oft kaum noch bewusst wahr, weil man sie seit Jahrzehnten kennt.

Funktioniert eine Wärmepumpe auch mit klassischen Heizkörpern?

Ja. Auch mit klassischen Radiatoren kann eine Wärmepumpe funktionieren. Entscheidend sind die benötigten Vorlauftemperaturen und eine passende Auslegung der Anlage. In meinem Haus wurden lediglich zwei Heizkörper vergrößert, eine Fußbodenheizung war nicht erforderlich.

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus?

Der Stromverbrauch hängt stark von Gebäude, Außentemperatur und Nutzung ab. In meinem Haus mit rund 1400 l ehemaligem Heizölverbrauch liegt der jährliche Strombedarf der Wärmepumpe im Bereich von etwa 3500 kWh. Ein Teil davon wird mit der PV-Anlage selbst erzeugt. Die genauen Werte sind auf dieser Seite anhand realer Messdaten dokumentiert.

Funktioniert eine Wärmepumpe auch bei sehr niedrigen Temperaturen?

Ja. Moderne Luft-Wärmepumpen arbeiten auch bei deutlich unter 0 °C zuverlässig. Bei niedrigen Außentemperaturen sinkt zwar die Effizienz, die Anlage liefert aber weiterhin die benötigte Heizleistung. Die Diagramme auf dieser Seite zeigen den realen Betrieb auch in kalten Winterperioden.

Muss ein Haus vor dem Einbau einer Wärmepumpe komplett gedämmt werden?

Nein. Eine gute Dämmung verbessert die Effizienz, ist aber nicht zwingend Voraussetzung. Viele Bestandsgebäude können auch ohne umfassende Sanierung mit einer Wärmepumpe betrieben werden. In meinem Fall wurde lediglich die alte Ölheizung ersetzt und zwei Heizkörper angepasst.

Heizt du zusätzlich mit einem Kaminofen?

Im Haus gibt es einen Kaminofen, der früher gelegentlich genutzt wurde. Seit der Installation der Wärmepumpe heize ich jedoch praktisch ausschließlich mit der Wärmepumpe.

Der Ofen spielt für den normalen Heizbetrieb keine Rolle und wird in der Regel nicht mehr genutzt. Gründe dafür sind unter anderem die zusätzliche Feinstaubbelastung und der typische Rauchgeruch beim Betrieb eines Holzofens.

Die auf dieser Seite gezeigten Messdaten zum Wärmebedarf und zum Stromverbrauch der Wärmepumpe beziehen sich daher auf den Betrieb ohne zusätzliche Holzheizung.

Macht eine Wärmepumpe ohne PV-Anlage Sinn?

Grundsätzlich ja. Die Einsparung gegenüber einer Ölheizung ist immer noch gegeben, aber nicht mehr so deutlich. Siehe Kostenentwicklung.

Was passiert mit der Wärmepumpe bei einem Stromausfall?

Wie jede elektrische Heizung benötigt auch eine Wärmepumpe Strom. Bei einem Stromausfall steht daher auch die Wärmepumpe still. Das gilt allerdings ebenso für die meisten Öl- und Gasheizungen, da auch dort Steuerung, Brenner und Umwälzpumpen elektrisch betrieben werden.
In meinem Haus kann der Batteriespeicher zwar einen Teil des Hauses weiter versorgen, im Backup-Betrieb liefert er jedoch nur eine Phase. Da die Wärmepumpe dreiphasig angeschlossen ist, würde sie in diesem Fall ebenfalls nicht laufen.
In der Praxis ist das selten ein Problem, da Gebäude Wärme über viele Stunden speichern und kurze Stromausfälle normalerweise nicht dazu führen, dass ein Haus sofort auskühlt.

Muss die Förderung vorfinanziert werden?

Die Fördermittel für die Wärmepumpe werden erst nach Abschluss der Maßnahme ausgezahlt. In der Praxis bedeutet das, dass die Fördersumme zunächst vorfinanziert werden muss.
Für diesen Zweck bietet die KfW ein zinsgünstiges Darlehen an (KfW 358, 359). Dieses muss jedoch über eine Hausbank beantragt und abgewickelt werden. In meinem Fall war es schwierig, eine Bank zu finden, die dieses Darlehen tatsächlich vermittelt, da der administrative Aufwand für die Banken relativ hoch ist.

Was hat mich überrascht?

Bei einer Wärmepumpe mit dem klimafreundlichen Kältemittel R290 muss ein Mindestabstand zu Kelleröffnungen eingehalten werden.

Spätestens 18 Monate nach der Inbetriebnahme muss das zuständige Bauamt über den Heizungswechsel informiert werden (§20 EWärmeG). Dies gilt zumindest für Baden-Württemberg. Wie sich das in anderen Bundesländern verhält ist mir nicht bekannt. Mein Heizungsbauer hat das aber alles perfekt unterschriftsreif vorbereitet.

Warum machst du diese Daten öffentlich?

In der öffentlichen Diskussion über Wärmepumpen und Energiewende kursieren viele widersprüchliche Aussagen. Statt darüber zu streiten, finde ich reale Messdaten hilfreicher.
Deshalb zeichne ich die Daten meines eigenen Energiesystems kontinuierlich auf und stelle sie hier transparent zur Verfügung. Die Diagramme zeigen keine Simulationen, sondern reale Betriebsdaten eines Einfamilienhauses auf der Schwäbischen Alb.

Wie viel Zeit steckt in diesem Projekt?

Die Seite ist kein einmaliges Projekt, sondern entsteht kontinuierlich nebenbei. Die technische Infrastruktur – Messsystem, Datenbank, Analyseprogramme und Webseiten – wurde über viele Monate Schritt für Schritt entwickelt und aufgebaut.

Ein großer Teil der Arbeit steckt dabei nicht im Schreiben der Texte, sondern in der Entwicklung der Programme und der Gestaltung der Webseiten, damit diese automatisch aktualisiert werden. Messdaten werden vollautomatisch gesammelt, aufbereitet und mit Hilfe der Programme ausgewertet und in Tabellen sowie Diagrammen dargestellt.

Insgesamt sind über die Zeit vermutlich mehrere hundert Stunden in dieses Projekt geflossen. Der Aufwand verteilt sich jedoch über viele kleine Schritte – oft nur ein paar Stunden hier und da.

Als Nebeneffekt habe ich dabei auch viel gelernt, was ich beruflich nutzen kann: zum Beispiel Fragen der Softwarearchitektur, Datenmodellierung und Konzepte aus dem Domain-Driven Design, bei denen Fachlogik möglichst klar und verständlich im Code abgebildet wird.

Und ganz nebenbei: Es macht mir einfach Spaß.

Fazit

Die bisherigen Messdaten zeigen, dass eine Wärmepumpe auch in einem bestehenden Gebäude mit klassischen Heizkörpern effizient betrieben werden kann. Entscheidend sind jedoch die individuellen Rahmenbedingungen des Hauses und eine sinnvolle Systemauslegung.

Rückblickend würde ich die Entscheidung für die Wärmepumpe wieder treffen. Die Kombination aus Wärmepumpe, Photovoltaik und Batteriespeicher hat sich im Alltag als stabiles und effizientes Energiesystem erwiesen.

Stand: 15.03.2026 22:15